Windräder bis zum Horizont gehören in Norddeutschland längst zum Alltag. Je mehr von ihnen sich drehen, desto stärker drücken sie den Preis an der Strombörse.

Über der norddeutschen Tiefebene drehen sich im Frühjahr Windräder bis zum Horizont, ruhig und stetig, und liefern Windstrom rund um die Uhr. Diese Entwicklung spüren Sie inzwischen ganz konkret auf Ihrer Stromrechnung, denn jeder zusätzliche Windpark drückt die Preise an der Strombörse und damit die Beschaffungskosten Ihres Versorgers. Das erste Quartal 2026 hat diesen Effekt deutlich vor Augen geführt, und es lohnt sich, die Entwicklung zu kennen, bevor die nächste Stromabrechnung ins Haus flattert. Dieser Ratgeber ordnet die aktuellen Zahlen ein und zeigt ihren Bezug zu Ihren Energiekosten.

Windstrom liefert mehr Energie als je zuvor

Die Zahlen des Statistischen Bundesamts sind eindeutig. Im ersten Quartal 2026 speisten Windkraftanlagen rund 42,8 Milliarden Kilowattstunden ins Netz, ein Plus von 28,8 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal (Destatis, Juni 2026). Damit blieb Windkraft mit einem Anteil von 33,8 Prozent der wichtigste Energieträger in der deutschen Stromerzeugung. Vor wenigen Jahren galt ein solcher Wert noch als ehrgeiziges Ziel, heute ist er Alltag im deutschen Netz.

Besonders kräftig legte die Windenergie auf See zu. Die Anlagen vor der Küste steigerten ihre Einspeisung um 44,8 Prozent auf 9,7 Milliarden Kilowattstunden, die Anlagen an Land um 23,1 Prozent auf 33,1 Milliarden Kilowattstunden. Dass beide Bereiche gleichzeitig wachsen, ist die eigentliche Nachricht hinter dem Rekord.

Mehr Windstrom bedeutet niedrigere Börsenpreise

An der Strombörse bestimmt immer das teuerste Kraftwerk, das zur Deckung der Nachfrage noch gebraucht wird, den Preis für alle. Häufig ist das ein Gaskraftwerk. Je mehr günstiger Windstrom einspeist, desto seltener müssen diese teuren Kraftwerke anspringen, und desto niedriger fällt der Preis aus.

Im ersten Quartal 2026 ließ sich dieser Mechanismus an den Zahlen ablesen. Nach einer Auswertung des Branchendienstes IWR sanken die durchschnittlichen Börsenstrompreise von 11,2 auf 10,2 Cent pro Kilowattstunde, ein Minus von knapp neun Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Dass erneuerbare Energien in diesem Quartal bereits 53,3 Prozent des erzeugten Stroms deckten (Destatis), trug maßgeblich dazu bei. Auf Ihrer Rechnung schlägt das nicht sofort eins zu eins durch, weil Netzentgelte, Steuern und Abgaben einen großen Teil des Endpreises ausmachen. Mittelfristig aber bremst jeder zusätzliche Windpark den Preisdruck, der sonst von teurem Gas ausgeht. Mit einem dynamischen Stromtarif spüren Sie windreiche Stunden sogar unmittelbar, weil der Preis dann zeitweise besonders niedrig liegt.

Der Rekordausbau 2025 schafft die Grundlage

Damit so viel Windstrom fließen kann, musste zuvor kräftig gebaut werden. 2025 gingen in Deutschland 958 neue Windräder an Land mit einer Leistung von 5.232 Megawatt ans Netz, ermittelt von der Fachagentur Wind und Solar im Auftrag der Verbände BWE und VDMA Power Systems. Die installierte Gesamtleistung an Land stieg damit auf rund 68,1 Gigawatt, das entspricht der Leistung zahlreicher konventioneller Großkraftwerke zusammengenommen.

Modernes hohes Onshore-Windrad aus der Froschperspektive gegen blauen Himmel, die langen Rotorblätter ragen über ein grünes Feld, einzelne Wolken.

958 neue Windräder gingen 2025 an Land ans Netz. Größere Rotoren und höhere Türme holen aus jeder Windstunde mehr Strom als die Anlagen früherer Jahre.

Bemerkenswert ist das vor allem, weil 2025 als Wetterjahr eher windarm ausfiel. Über das gesamte Jahr lag die Windstromproduktion sogar 3,6 Prozent unter dem Vorjahr (Destatis). Der starke Auftakt 2026 zeigt das Potenzial der vielen neuen Anlagen, sobald der Wind wieder kräftiger weht. Moderne Anlagen mit größeren Rotoren und höheren Türmen holen aus jeder Windstunde mehr heraus als die Generation davor.

Offshore und Onshore tragen den Ausbau gemeinsam

Die deutsche Windkraft steht auf zwei Beinen. An Land bilden die Anlagen mit rund 68,1 Gigawatt installierter Leistung das Fundament und liefern den Großteil des Windstroms. Auf See kommen die Windparks in Nord- und Ostsee hinzu, deren Wind gleichmäßiger weht und die deshalb besonders verlässlich einspeisen. Selbst in ruhigeren Wochen bricht ihre Leistung seltener stark ein als an Land. Zusammen sorgen die beiden Standbeine dafür, dass fast immer irgendwo in Deutschland genug Wind weht.

Mehrere große Offshore-Windräder stehen in ruhiger blaugrauer Nordsee, der Horizont leicht diesig, weiches Tageslicht spiegelt sich auf dem Wasser.

Auf See weht der Wind gleichmäßiger als an Land. Ende 2025 lieferten 1.680 Offshore-Anlagen rund 9,7 Gigawatt, knapp unter der angepeilten 10.000-Megawatt-Marke.

Beim Ausbau auf See verfehlte Deutschland 2025 allerdings knapp ein wichtiges Etappenziel. Ende des Jahres waren 1.680 Windräder mit zusammen rund 9,7 Gigawatt in Betrieb und blieben damit haarscharf unter der Marke von 10.000 Megawatt (Stiftung Offshore-Windenergie, Januar 2026). Rund um diese Projekte entstehen in Küstenregionen wie Schleswig-Holstein und Niedersachsen Arbeitsplätze in Fertigung, Logistik und Wartung.

2026 entscheidet über das Tempo der Energiewende

Für die Windkraft ist 2026 ein Schlüsseljahr, und das aus einem konkreten Grund. Bis Jahresende muss die Bundesregierung das Erneuerbare-Energien-Gesetz reformieren, weil die beihilferechtliche Genehmigung der EU für die geltende Fassung ausläuft. Diese Novelle entscheidet maßgeblich über das Ausbautempo der kommenden Jahre.

Das Ziel steht fest: Bis 2030 sollen 115 Gigawatt Windleistung an Land in Betrieb sein. Um das zu erreichen, müsste der Zubau im Schnitt auf rund 9,4 Gigawatt pro Jahr steigen, deutlich mehr als die gut fünf Gigawatt des Jahres 2025. Mut macht der Blick auf die Genehmigungen, denn 2025 erhielten 3.310 Anlagen mit zusammen knapp 20,8 Gigawatt grünes Licht, ein neuer Höchstwert (Fachagentur Wind und Solar). Zwischen Genehmigung und Inbetriebnahme vergehen allerdings oft mehr als zwei Jahre, weshalb sich der Schub erst nach und nach in der Stromerzeugung niederschlägt.

Der Wind arbeitet für Ihre Stromrechnung

Windkraft betrifft am Ende auch Sie und Ihren Haushalt. Jede zusätzliche Kilowattstunde aus Wind macht Deutschland ein Stück unabhängiger von schwankenden Gas- und Ölpreisen auf den Weltmärkten und nimmt langfristig Druck von den Strompreisen. Sie selbst müssen dafür wenig tun, außer Ihren eigenen Verbrauch im Blick zu behalten und auf einen Tarif zu achten, der sinkende Beschaffungskosten auch weitergibt. Der Wind dreht sich ohnehin weiter, Tag und Nacht, und arbeitet dabei leise an einer Stromversorgung, die sauberer und ein Stück berechenbarer wird.

Fotos: Textnetz, Generiert mit KI