Zwei Installateure montieren schwarze Solarmodule auf einem Ziegeldach im warmen Nachmittagslicht

Rund 50 Quadratmeter Schrägdach reichen für zehn Kilowattpeak. Beim Angebotsvergleich zeigt der Preis pro Kilowattpeak die Ausreißer schneller als die Gesamtsumme.

Ein leises Summen im Hauswirtschaftsraum, eine App auf dem Handy, auf der die Waschmaschine mit Sonnenstrom läuft: Eine Solaranlage auf dem eigenen Dach macht einen ganz eigenen kleinen Stolz. Zwischen diesem Bild und der Unterschrift unter dem Angebot liegt allerdings eine Summe im fünfstelligen Bereich. Die Frage nach der Wirtschaftlichkeit ist deshalb berechtigt, und die Antwort fällt 2026 anders aus als noch vor drei Jahren. Dieser Beitrag ordnet die realistischen Kosten ein, benennt die eigentliche Quelle der Ersparnis und die Besonderheit dieses Jahres.

Zehn Kilowattpeak kosten 12.000 bis 16.000 Euro

Die Preise für Solartechnik sind auf einem historischen Tiefstand. Für eine schlüsselfertige Anlage ohne Speicher liegen die Kosten je nach Region und Dachsituation bei etwa 1.200 bis 1.600 Euro pro Kilowattpeak (kWp). Eine typische Zehn-Kilowattpeak-Anlage auf einem Einfamilienhaus kostet damit rund 12.000 bis 16.000 Euro. Kommt ein Batteriespeicher mit zehn Kilowattstunden dazu, bewegt sich das Gesamtpaket meist zwischen 14.000 und 20.000 Euro.

Zwei Faustregeln helfen beim Angebotsvergleich. Als Obergrenze gelten 1.600 Euro pro Kilowattpeak für die reine Anlage und 600 Euro pro Kilowattstunde für den Speicher. Liegen Sie deutlich darüber, verhandeln Sie nach oder holen weitere Angebote ein. Drei bis fünf sind ein guter Richtwert, denn die Preisspannen zwischen Anbietern erreichen bis zu 40 Prozent.

Ein Detail macht die Rechnung angenehmer: Auf Anlagen bis 30 Kilowattpeak an Wohngebäuden fällt seit 2023 keine Mehrwertsteuer an (§ 12 Abs. 3 UStG). Netto ist hier gleich brutto. Und die Einnahmen aus dem Betrieb bleiben bis 30 Kilowattpeak je Wohneinheit einkommensteuerfrei (§ 3 Nr. 72 EStG). Der Steuerberater bleibt außen vor, die Anmeldung im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur bleibt Pflicht.

Eigenverbrauch ist viermal so viel wert wie Einspeisung

Früher war die Anlage auf dem Dach eine Geldanlage mit Einspeisecharakter: Strom rein ins Netz, Vergütung raus. Diese Logik trägt heute nicht mehr. Der entscheidende Hebel ist heute jede Kilowattstunde, die Sie selbst verbrauchen.

Frau befüllt Waschmaschine in heller Küche, daneben Tablet mit Solarertragsanzeige

Waschmaschine, Spülmaschine und Trockner zwischen elf und 15 Uhr laufen zu lassen, kostet nichts außer ein bisschen Gewohnheit. Genau dort entsteht der Unterschied zwischen 7,78 Cent Vergütung und rund 37 Cent gesparter Stromkosten.

Die Rechnung dahinter ist schlicht. Netzstrom kostet laut BDEW-Strompreisanalyse 2026 im Schnitt rund 37 Cent pro Kilowattstunde. Solarstrom vom eigenen Dach kostet in der Erzeugung etwa sechs bis zehn Cent. Jede selbst genutzte Kilowattstunde bringt Ihnen also rund 27 bis 30 Cent, während dieselbe Kilowattstunde im Netz aktuell 7,78 Cent Einspeisevergütung einbringt. Der Eigenverbrauch ist damit fast viermal so viel wert wie die Einspeisung.

Daraus folgt die Planungsregel mit dem größten Effekt: Die Anlage muss zu Ihrem Verbrauch passen, nicht zum maximal Möglichen. Als Orientierung gelten ein bis 1,2 Kilowattpeak pro 1.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch, wobei eine Wärmepumpe, eine Wallbox oder ein E-Auto den Bedarf spürbar nach oben ziehen. Ein Kilowattpeak erzeugt in Deutschland etwa 950 bis 1.050 Kilowattstunden im Jahr und braucht rund fünf Quadratmeter Schrägdach.

Der Speicher hebt die Autarkie auf rund 70 Prozent

Ohne Speicher nutzt ein durchschnittlicher Haushalt etwa 30 Prozent seines Solarstroms selbst, der Rest fließt mittags ins Netz, während abends der Herd läuft. Ein passend dimensionierter Speicher hebt die Autarkie auf rund 70 Prozent und verdoppelt damit den wirtschaftlich wertvollen Teil der Erzeugung.

Wandmontierter Batteriespeicher neben Hybrid-Wechselrichter in einem Hauswirtschaftsraum

Ein Speicher braucht knapp einen Quadratmeter Wandfläche und einen frostfreien Raum. Rüsten Sie ihn erst später nach, wählen Sie den Wechselrichter von Anfang an speicherfähig. Das spart bei der Nachrüstung vierstellig.

Die Größe orientiert sich grob an einer Kilowattstunde Speicherkapazität je 1.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch. Für ein Einfamilienhaus sind fünf bis zehn Kilowattstunden üblich. Größer ist selten besser: Ein überdimensionierter Speicher steht im Winter halb leer und kostet trotzdem Geld. Wirtschaftlich wird er vor allem unterhalb von 600 Euro pro Kilowattstunde, ein Niveau, das dank stark gefallener Speicherpreise inzwischen oft erreichbar ist.

Zweistufig geht es auch: erst die Anlage, den Speicher zwei oder drei Jahre später. Achten Sie in diesem Fall darauf, dass der Wechselrichter speicherfähig ist, sonst wird die Nachrüstung teuer.

Die Einspeisevergütung liegt bei 7,78 Cent

Seit dem 1. Februar 2026 erhalten neue Anlagen bis zehn Kilowattpeak 7,78 Cent pro Kilowattstunde bei Teileinspeisung und 12,34 Cent bei Volleinspeisung. Für Anlagenteile zwischen zehn und 40 Kilowattpeak sinken die Sätze auf 6,73 beziehungsweise 10,35 Cent. Diese Werte gelten für Inbetriebnahmen bis zum 31. Juli 2026. Danach greift die halbjährliche Degression von einem Prozent, die Vergütung fällt voraussichtlich auf etwa 7,71 Cent.

Entscheidend ist die Garantie dahinter: Der Satz, der am Tag der Inbetriebnahme gilt, bleibt 20 Jahre plus das Restjahr unverändert. Wer im Juli 2026 ans Netz geht, bekommt seine 7,78 Cent bis Ende 2046.

Eine Einschränkung gehört dazu. Seit dem Solarspitzengesetz vom Februar 2025 gibt es für Neuanlagen keine Vergütung in Stunden mit negativen Börsenstrompreisen. 2025 waren das fast 575 Stunden. Diese Zeiträume werden allerdings hinten an die Förderperiode angehängt, der Verlust wird also weitgehend nachgeholt.

Nach etwa 14 Jahren ist die Anlage bezahlt

Hier lohnt ein nüchterner Blick, denn die Spannweite der kursierenden Zahlen ist groß. Für ein Zehn-Kilowattpeak-System mit Zehn-Kilowattstunden-Speicher liegt die Amortisation bei etwa 14 Jahren, die Rendite bei rund 3,6 Prozent über 20 Jahre. Über 30 Jahre (Module halten üblicherweise 25 bis 30 Jahre) steigt sie auf etwa 5,3 Prozent. Anbieter mit optimistischeren Annahmen kommen auf acht bis zwölf Jahre.

Beide Rechnungen sind nicht falsch, sie unterscheiden sich in den Annahmen zu Strompreisentwicklung, Eigenverbrauchsquote und Betriebskosten. Rechnen Sie mit etwa einem bis 1,5 Prozent der Investition pro Jahr für Versicherung, Wartung und Zählerkosten und kalkulieren Sie einen Wechselrichtertausch nach zehn bis 15 Jahren mit 1.500 bis 3.000 Euro ein. Denken Sie diese Posten mit, landen Sie bei einer soliden, inflationsgeschützten Rendite. Traumzinsen sind das nicht, aber eine Investition, die verlässlicher liefert als die meisten Alternativen mit vergleichbarem Risiko.

Ende 2026 läuft die EU-Genehmigung für das EEG aus

Die EU-Beihilfegenehmigung für das aktuelle EEG läuft Ende 2026 aus. Eine Reform ist damit unausweichlich. Der Referentenentwurf des Bundeswirtschaftsministeriums sieht vor, die feste Einspeisevergütung für neue Anlagen unter 25 Kilowattpeak zum 1. Januar 2027 komplett zu streichen. Statt fester Sätze stünden dann Nulleinspeisung oder eine Abnahme zum Marktwert im Raum.

Wichtig zur Einordnung: Beschlossen ist das nicht. Stand Sommer 2026 handelt es sich um einen Entwurf ohne Kabinettsbeschluss, der Termin wurde mehrfach verschoben, und der Widerstand aus der Solarbranche ist erheblich. Ebenso wichtig: Bestehende Anlagen genießen Bestandsschutz. Rückwirkend wurde eine einmal zugesagte EEG-Vergütung in Deutschland noch nie gekürzt.

Für Sie heißt das schlicht: Gehen Sie in diesem Jahr in Betrieb, sichern Sie sich die aktuellen Konditionen für zwei Jahrzehnte, unabhängig von der Reform. Ein Grund für Panikkäufe ist das nicht, wohl aber ein Argument gegen unnötiges Aufschieben.

Auf manchen Dächern bleibt die Rechnung schwierig

Es gibt Dächer, auf denen die Rechnung schwierig wird. Ein reines Norddach ist ungeeignet. Süd bringt den höchsten Ertrag, doch eine Ost-West-Ausrichtung erreicht immer noch 85 bis 90 Prozent und verteilt die Erzeugung sogar günstiger über den Tag. Kritischer ist Verschattung durch Nachbargebäude, Kamine oder Bäume. Hier hilft nur eine Vor-Ort-Analyse.

Auch der Verbrauch ist ein Ausschlusskriterium. Unter etwa 3.000 Kilowattstunden im Jahr wird die Wirtschaftlichkeit dünn, weil zu wenig Strom selbst genutzt wird. Und wenn das Dach in den nächsten fünf Jahren ohnehin saniert werden muss: beides zusammen machen. Module zweimal ab- und wieder aufzubauen kostet 2.000 bis 4.000 Euro.

Die Sonne über Ihrem Dach schickt keine Rechnung, das bleibt der Kern dieser Investition. Ob sie sich für Sie rechnet, entscheidet die Passung zwischen Anlage, Dach und Alltag. Nehmen Sie sich die Zeit für ein paar Angebote und schauen Sie Ihren Stromverbrauch genau an. Die Entscheidung, die daraus entsteht, trägt dann zwei Jahrzehnte.

Fotos: Textnetz, Generiert mit KI