Im Oktober dreht sich in vielen Wohnungen zum ersten Mal seit dem Frühjahr wieder das Thermostat auf, und manchmal passiert danach nichts. Der Heizkörper im Wohnzimmer wird oben nicht richtig warm, irgendwo in der Wand gluckert es leise. Dahinter steckt selten ein Defekt, meist ist es Luft, die sich über den Sommer im System gesammelt hat. Wer sie ablässt und zwei, drei Gewohnheiten anpasst, bekommt aus derselben Heizung spürbar mehr Wärme. Heizkörper entlüften dauert pro Gerät nur wenige Minuten, und die richtige Thermostateinstellung kostet gar nichts.

Heizkörper entlüften: Diese Zeichen verraten Luft im System

Luft ist leichter als Wasser und steigt im Heizkörper nach oben. Dort bildet sie ein Polster, das den Heizwasserfluss bremst, sodass nur ein Teil der Fläche warm wird. Typisch sind ein Gluckern oder Rauschen, ein Heizkörper, der trotz voll aufgedrehtem Thermostat oben kühl bleibt, und Räume, die trotz laufender Heizung nicht richtig warm werden.

Ein Test dauert eine Minute. Lassen Sie die Heizung eine halbe Stunde laufen und streichen Sie dann mit der flachen Hand von unten nach oben über die Vorderseite. Fühlt sich die obere Hälfte deutlich kühler an als die untere, steckt Luft im Gerät. Durch das Entlüften kann die Heizung wieder gleichmäßiger arbeiten.

Am besten entlüften Sie zu Beginn der Heizperiode und bei Bedarf ein zweites Mal im Winter. Eine Fußbodenheizung lässt sich auf diesem Weg nicht entlüften, dafür kommt ein Heizungsbauer ins Haus.

Heizkörper entlüften Schritt für Schritt

Sie brauchen einen Entlüftungsschlüssel, der im Baumarkt wenige Euro kostet, einen Lappen und ein kleines Gefäß. Schalten Sie zuerst die Umwälzpumpe oder die gesamte Heizung aus, damit das Wasser im System zur Ruhe kommt und sich die Luft oben sammelt. Drehen Sie anschließend alle Thermostate voll auf.

Hand dreht Entlüftungsschlüssel am Ventil eines weißen Heizkörpers zum Heizkörper entlüften, darunter ein Lappen und eine Tasse

Eine Vierteldrehung genügt beim Heizkörper entlüften, dann zischt die Luft heraus. Sobald Wasser kommt, ist das Ventil wieder zu.

Halten Sie das Gefäß unter das Entlüftungsventil, das seitlich oben am Heizkörper sitzt, und öffnen Sie es mit dem Schlüssel eine Vierteldrehung gegen den Uhrzeigersinn. Es zischt, die Luft entweicht. Sobald ein gleichmäßiger Wasserstrahl austritt, schließen Sie das Ventil wieder. Bei mehreren Heizkörpern entlüften Sie sie nacheinander. Am Ende schalten Sie die Pumpe wieder ein und stellen die Thermostate auf Ihre gewohnten Stufen zurück.

Der Wasserdruck entscheidet mit

Mit jeder Luftblase, die entweicht, sinkt der Druck im Heizkreis. Auf dem Manometer an Ihrem Heizkessel lesen Sie ihn ab. Als Richtwert gelten für Einfamilienhäuser etwa 1,0 bis 2,0 bar, die genaue Vorgabe steht in der Anleitung des Herstellers. Fällt der Zeiger unter den empfohlenen Wert, lassen Sie den Druck prüfen und füllen Sie gegebenenfalls Heizungswasser nach.

Wer das noch nie gemacht hat, lässt sich beim ersten Mal vom Heizungsbauer zeigen, wie der Füllhahn funktioniert. Müssen Sie schon nach wenigen Wochen erneut nachfüllen oder sammelt sich ständig frische Luft, lohnt ein Anruf beim Fachbetrieb. Dann liegt möglicherweise eine Undichtigkeit vor, oder das Ausdehnungsgefäß hat seinen Vordruck verloren.

Das Thermostat regelt die Dauer, nicht die Hitze

Viele Menschen drehen das Thermostat auf die höchste Stufe, damit es schneller warm wird. Das Heizwasser im Heizkörper hat jedoch immer dieselbe Temperatur, die der Kessel vorgibt. Bei höherer Einstellung bleibt das Ventil nur länger offen, und der Raum heizt sich über den gewünschten Wert hinaus auf. Das Thermostat misst die Raumtemperatur und schließt das Ventil, sobald die gewählte Stufe erreicht ist.

Digitales Heizkörperthermostat am weißen Heizkörper zeigt 20 Grad, daneben ein Thermometer auf dem Fensterbrett

Das Heizwasser bleibt immer gleich warm. Die Stufe am Thermostat bestimmt nur, wie lange das Ventil offen bleibt.

Stufe 2 entspricht etwa 16 Grad, Stufe 3 etwa 20 Grad und Stufe 4 etwa 24 Grad. Die Werte schwanken je nach Fabrikat um ein, zwei Grad, ein Thermometer im Raum schafft Klarheit.

Jedes Grad weniger senkt die Heizkosten um rund sechs Prozent. Bei einem hohen Gasverbrauch kann sich die Einsparung durch eine niedrigere Raumtemperatur deutlich bemerkbar machen. Programmierbare Thermostate wie das Danfoss Eco oder das tado° Smarte Heizkörper-Thermostat senken tagsüber und nachts automatisch ab. Programmierbare Thermostate können die Raumtemperatur zeitabhängig absenken.

Möbel, Vorhänge und Verkleidungen bremsen die Wärme

Ein Sofa direkt vor dem Heizkörper wirkt wie eine Decke auf einer Wärmflasche. Die Wärme staut sich, und der Fühler im Thermostat meldet dem Ventil eine zu hohe Temperatur. Es schließt zu früh, obwohl der Raum noch kühl ist. Halten Sie ausreichend Abstand zu Möbeln, damit die Wärme in den Raum strömen kann.

Weißer Heizkörper unter dem Fenster mit Abstand zum Sofa, der Vorhang endet über dem Fensterbrett

Ein Abstand von mindestens 30 Zentimetern lässt die Wärme in den Raum strömen. Der Thermostatfühler misst dann auch die richtige Temperatur.

Vorhänge, die den Heizkörper verdecken, leiten die warme Luft zwischen Stoff und Scheibe nach oben und heizen das Fenster statt den Raum. Lassen Sie Gardinen am Fensterbrett enden. Eine geeignete Reflexionsfolie oder Dämmplatte kann die Wärmeabgabe an eine Außenwand verringern. Der Effekt fällt bei schlecht gedämmten Außenwänden am größten aus, die Folie kostet nur wenige Euro und ist in einer Viertelstunde angebracht.

Jeder Raum bekommt seine eigene Temperatur

Als Richtwert gelten im Wohnzimmer 20 Grad, in der Küche etwa 18, im Schlafzimmer 16 bis 18 und im Bad 22 Grad. Wer die Thermostate nach diesen Werten einstellt, heizt dort, wo Wärme gebraucht wird, und spart dort, wo sie kaum auffällt.

Türen zwischen unterschiedlich warmen Räumen bleiben geschlossen. Sonst zieht feuchte Warmluft in kühle Zimmer und schlägt sich an den Wänden nieder. Ganz abstellen sollten Sie die Heizung auch in selten genutzten Räumen nicht. Niedrige Raumtemperaturen sollten vermieden werden, damit Räume und Bauteile nicht auskühlen.

Ein warmer Winter beginnt mit einer halben Stunde

Beim nächsten kalten Morgen werden Sie den Unterschied nicht auf der Abrechnung ablesen, sondern an den Füßen. Der Heizkörper arbeitet gleichmäßiger, das Gluckern kann verschwinden, und das Thermostat steht auf einer bewusst gewählten Stufe. Eine halbe Stunde mit Schlüssel, Lappen und Gefäß im Oktober schenkt Ihnen für die gesamte Heizperiode ein Zuhause, das gleichmäßiger und leiser heizt.

Fotos: Textnetz, Generiert mit KI