In der Sanierungs-Debatte dreht sich fast alles um Dämmung, Fenster und die Heizung. Warmwasser läuft nebenher, warm aus dem Hahn, unauffällig. Genau das ist das Problem. Sobald ein Haus gedämmt ist und die Heizlast sinkt, wird Warmwasser sparen zum eigentlichen Hebel im Energiehaushalt. Laut Zukunft Altbau macht die Warmwasserbereitung im ungedämmten Altbau nur 10 bis 15 Prozent des Wärmebedarfs aus, in Effizienzhäusern und Neubauten aber 30 bis über 50 Prozent. Dieser Artikel zeigt, wo die Verluste stecken und welche Stellschrauben wirklich etwas bringen.

Der stille Anteil im sanierten Haus

Wer eine neue Dämmung, dreifach verglaste Fenster und eine moderne Heizung hat, freut sich zu Recht über sinkende Heizkosten. Übersehen wird dabei, dass der Warmwasserbedarf davon unberührt bleibt. Jeder Bewohner braucht weiterhin seine tägliche Dusche, sein warmes Spülwasser, sein Bad. Der Warmwasserspiegel für Deutschland beziffert den Verbrauch auf rund 30 bis 45 Liter pro Person und Tag, was einem Endenergiebedarf von 600 bis 1.000 Kilowattstunden im Jahr entspricht.

Rechnet man das für einen Vier-Personen-Haushalt hoch, kommen schnell 3.000 bis 4.000 Kilowattstunden allein für warmes Wasser zusammen. Bei einem modernen Effizienzhaus, das für die Raumwärme vielleicht nur noch 5.000 Kilowattstunden verbraucht, ist das fast die Hälfte der Gesamtbilanz. Warmwasser ist damit kein Nebenposten mehr, sondern eine eigene Kategorie.

Die gute Nachricht: An kaum einer anderen Stelle lassen sich mit so wenig baulichem Aufwand so spürbare Einsparungen erzielen. Die schlechte: Fast alle Maßnahmen berühren die Frage der Hygiene, und da beginnt es kompliziert zu werden.

Speichertemperatur zwischen Legionellenschutz und Verlust

Der Warmwasserspeicher ist der offensichtlichste Kandidat für Optimierung. Ein Standardgerät mit 150 bis 300 Litern verliert laut Verbraucherzentrale-Energieberatung allein durch die Speicherwand täglich 1,0 bis 2,5 Kilowattstunden. Über das Jahr summiert sich das auf 350 bis über 900 Kilowattstunden reine Bereitschaftsverluste, ganz ohne dass ein Tropfen entnommen wird. Je höher die eingestellte Temperatur, desto größer der Verlust.

Naheliegend wäre also, den Speicher auf 45 oder 50 Grad zu drosseln. Genau hier setzt die Legionellenfrage die Grenze. Nach dem DVGW-Arbeitsblatt W 551 müssen Großanlagen mit mehr als 400 Litern Speichervolumen oder mehr als drei Litern Rohrinhalt bis zur Zapfstelle mindestens 60 Grad am Speicheraustritt und 55 Grad im Zirkulationsrücklauf halten.

Ein- und Zweifamilienhäuser gelten dagegen als Kleinanlagen und sind von der regelmäßigen Untersuchungspflicht befreit. Für Sie als Eigentümer heißt das: Sie dürfen tiefer gehen, sollten Temperaturen unter 50 Grad aber vermeiden, weil sich Legionellen im lauwarmen Bereich am wohlsten fühlen. Ein Zielwert von 55 Grad am Speicher ist in den meisten Häusern der ehrliche Kompromiss zwischen Effizienz und Hygiene.

Die Zirkulationspumpe ist der heimliche Stromfresser

In Häusern mit langen Warmwasserleitungen sorgt eine Zirkulationspumpe dafür, dass an jeder Zapfstelle innerhalb von Sekunden warmes Wasser fließt. Komfortabel, aber teuer. Eine Untersuchung von co2online und Scientists for Future aus dem Sommer 2024 zeigte, dass die Zirkulation enorme Leitungsverluste verursacht. In Ein-Personen-Haushalten war der Energieverbrauch für Warmwasser mit Zirkulation bis zu dreimal so hoch wie ohne.

Moderne Hocheffizienz-Zirkulationspumpe an einer Kupferleitung mit digitaler Zeitschaltung, seitliches Werkstattlicht.

Eine alte Pumpe frisst rund um die Uhr Strom. Der Umstieg auf eine Hocheffizienzpumpe mit Zeitprogramm senkt den Verbrauch um über 90 Prozent.

Dazu kommt der Strom der Pumpe selbst. Eine ältere Umwälzpumpe mit 25 bis 30 Watt läuft in vielen Häusern schlicht 24 Stunden am Tag durch. Das ergibt laut co2online rund 200 bis 260 Kilowattstunden im Jahr, also 80 bis 100 Euro reine Stromkosten. Eine moderne Hocheffizienzpumpe im bedarfsgerechten Taktbetrieb kommt mit 2,5 bis 5 Watt aus.

Zwei Maßnahmen zahlen sich hier fast immer aus. Zum einen der Austausch gegen eine Hocheffizienzpumpe, zum anderen ein Zeitprogramm, das die Zirkulation auf die tatsächlichen Nutzungszeiten begrenzt: morgens ein bis zwei Stunden, abends drei bis vier. Zwischen 22 und 6 Uhr braucht niemand sofort warmes Wasser am Waschbecken.

Warmwasserbereitung per Wärmepumpe braucht andere Zahlen

Wer die Heizung auf eine Wärmepumpe umstellt, übernimmt in der Regel auch die Warmwasserbereitung. Hier gelten andere physikalische Spielregeln als beim alten Gaskessel. Der Bundesverband Wärmepumpe beziffert den Effizienzverlust auf durchschnittlich 2 bis 2,5 Prozent pro Grad Celsius höherer Solltemperatur. Wer den Speicher konsequent auf 60 Grad fährt, verschenkt spürbar Jahresarbeitszahl.

Deshalb geht der Trend zur Frischwasserstation. Statt warmes Trinkwasser über Tage im Speicher zu lagern, wird das kalte Trinkwasser im Durchlaufprinzip an einem Plattenwärmetauscher erwärmt, sobald Sie den Hahn öffnen. Der eigentliche Speicher enthält dann nur Heizungswasser als Puffer, das mit deutlich niedrigeren Temperaturen von 45 bis 50 Grad auskommt.

Wie das Informationsprogramm Zukunft Altbau intelligent heizen beschreibt, löst dieser Aufbau den Zielkonflikt zwischen Hygiene und Effizienz. Weil kein Trinkwarmwasser stagniert, verliert das Legionellen-Argument seinen Schrecken, und die Wärmepumpe kann in einem Temperaturbereich arbeiten, in dem sie tatsächlich effizient ist.

Die Legionellenschaltung ist oft mehr Symbolik als Schutz

Viele ältere Anlagen haben eine sogenannte Legionellenschaltung eingebaut, die den Speicher einmal wöchentlich auf 70 Grad hochheizt, meist mit einem elektrischen Heizstab. Das kostet Strom, und zwar in einer Größenordnung, die im Jahr durchaus 100 bis 200 Kilowattstunden ausmachen kann. Ob es tatsächlich schützt, wird zunehmend bezweifelt.

Der Entwurf des DVGW-Arbeitsblatts W 551-1 stuft die periodische Aufheizung als hygienisch unzureichend und energetisch unsinnig ein. Der Grund: In den Stichleitungen zu einzelnen Zapfstellen bleibt das Wasser stehen und wird von der Aufheizung im Speicher gar nicht erreicht. Ohne manuelles Spülen aller Armaturen bei hoher Temperatur bringt die Schaltung im Ein- und Zweifamilienhaus wenig.

Wichtiger als die Legionellenschaltung ist, ob das System regelmäßig genutzt wird. Wer nach zwei Wochen Urlaub nach Hause kommt, sollte das warme Wasser an jedem Hahn einige Minuten laufen lassen, bevor er duscht. Das ist unspektakulär, aber wirksam.

Am Zapfhahn beginnt der eigentliche Verbrauch

So aufwendig die Optimierung im Keller wirken kann, die größte Einzelmaßnahme ist meist banal. Es ist der Duschkopf. Ein handelsübliches Modell lässt 12 bis 15 Liter pro Minute durch, ein Sparduschkopf begnügt sich mit 6 bis 8 Litern und mischt Luft bei, sodass der Strahl trotzdem voll wirkt. Der Warmwasserspiegel nennt eine Einsparung von bis zu 50 Prozent beim Warmwasser- und Energiebedarf des Duschens.

Verchromter Sparduschkopf mit fallenden Wassertropfen an einer matten Halterung, weiches Tageslicht aus mattiertem Fenster, grauer Fliesenhintergrund.

Ein Sparduschkopf halbiert den Durchfluss, ohne dass Sie es beim Duschen spüren. In einem Vier-Personen-Haushalt spart das leicht mehrere hundert Euro im Jahr.

Für einen durchschnittlichen Haushalt kann das laut derselben Quelle bis zu 365 Euro im Jahr an Energie- und Wasserkosten ausmachen. Das ist mehr, als die neue Hocheffizienzpumpe im Keller einspart, und die Investition liegt bei 20 bis 40 Euro. Ähnliches gilt für Durchflussbegrenzer an Waschtisch-Armaturen, die den Verbrauch dort halbieren, ohne dass beim Händewaschen etwas fehlt.

Wer noch einen Schritt weitergehen will, achtet auf die Duschdauer. Eine Minute weniger unter der Brause spart in einem Vierpersonenhaushalt über das Jahr rund 100 Kilowattstunden Wärme und einige Kubikmeter Wasser. Diese Zahl klingt klein, aber sie greift jeden Tag.

Nicht jede Maßnahme muss sein

Wer in einem unsanierten Altbau wohnt und nur alle paar Tage kurz duscht, muss sich um Warmwasser ehrlicherweise wenig Sorgen machen. Der Anteil am Gesamtverbrauch ist dort so niedrig, dass sich der Aufwand einer Frischwasserstation nicht rechnet. Ein Sparduschkopf und ein Zeitprogramm an der Zirkulationspumpe reichen völlig.

Anders liegt der Fall im gut gedämmten Haus mit Wärmepumpe. Hier verschiebt sich das Gewicht, und die Optimierung des Warmwassersystems entscheidet mit darüber, ob die Wärmepumpe die versprochene Jahresarbeitszahl auch tatsächlich erreicht. Warmwasser sparen ist dann kein Nebenschauplatz mehr, sondern gehört zur Anlage dazu wie der Pufferspeicher.

Fotos: Textnetz, Generiert mit KI